Mehr als 15.000 Einzelcoachings hat Jessica Wahl in den vergangenen Jahren durchgeführt: Sie ist Trainerin für Bewerber und Führungskräfte, bereitet Politiker und CEOs auf Interviews und Fernsehauftritte vor. Und immer berät sie ihre Klienten auch in Sachen Uhr. Wieso diese für ihre Arbeit eine wichtige Rolle spielen, erklärt sie hier.

Frau Wahl, Sie sagen: Mitunter ist die Uhr verantwortlich für einen Karriereknick. Echt?

Jessica Wahl: Durchaus. Vom Auto wissen das viele, aber das gilt heute noch mehr für die Armbanduhr: Es kann schon eine ordentliche Delle in der Karriere bedeuten, wenn die eigene Uhr teurer ist als die des Chefs. Hier sollte man lieber darauf achten – es gibt Vorgesetzte, die auf sowas ziemlich empfindlich reagieren.

Wann schauen Sie als Coach denn besonders auf die Uhr?

J. W.: Wenn eine Person fachlich kompetent ist, aber mit dem, was sie kann, nicht wahrgenommen wird, dann schaue ich schon sehr genau hin.
Einer meiner Kunden etwa wollte Sachverständiger werden in einem sehr exklusiven englischen Immobilienverband. Er war beim ersten Anlauf durchgefallen und wollte sich nun mit mir auf die zweite Runde vorbereiten, die mündliche Prüfung.
Wir haben dann gemeinsam seine Argumente geschärft. Aber wir haben auch an Gestik, Stimme und Kleidung gearbeitet: britisch, sophisticated. Und dazu natürlich die passende Uhr, zurückhaltend, mit Lederarmband – eine Glashütter Uhr. Denn: Man muss für eine solche Position erkannt werden, und das Auftreten sollte meines Erachtens nicht zu sportlich sein, sondern klassisch, seriös.

Und: Hat’s geklappt?

J. W.: Klar. Er hat’s geschafft.                                                                                                                                                  

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Angela Merkel hat Karriere gemacht, trotz ihrer Uhr.

J. W.: Ja, oder auch ein bisschen wegen ihrer Uhr … Ihre Bescheidenheit hat natürlich auch viele Wähler beeindruckt. Denn die Uhrenfrage hängt immer von mehreren Faktoren ab, das ist je nach Branche, Netzwerk, Kontakten ziemlich unterschiedlich.
Doch Faustregel für alle: Insbesondere Männer achten sehr auf Uhren.
Unter Männern kommuniziert die Uhr den Rang, die Liga, in der sie spielen.

Und Frauen?

J. W.: Wenn eine Frau in einer Noch-immer-Männerdomäne mitmischen möchte, kann eine Uhr ihr nur helfen. Ich behaupte nicht, dass dies moralisch richtig ist. Selbstverständlich sollten andere Faktoren bei der Beurteilung von Menschen wichtiger sein. Doch das durchzusetzen – eine Mammutaufgabe! Die Einstellung zu Statussymbolen sitzt in der Regel einfach sehr, sehr tief. Das ist Gefühl, nicht Verstand.

Wieso ticken denn hier Frauen anders als Männer?

J. W.: Frauen haben natürlich schon immer andere – und durchaus auch vielfältigere – Möglichkeiten, Status zu demonstrieren. Etwa die Handtasche, Markenkleidung, Schmuck. Aber auch ein Verlobungsring, der in Amerika das dreifache Monatsgehalt des Mannes kosten soll (um den Freundinnen zu zeigen, wie viel sie ihm wert ist und welchen Lebensstandard sie künftig führen wird), spielt eine solche Rolle. Seit einigen Jahren jedoch beobachte ich, dass das Thema Armbanduhr bei Frauen, die Karriereleitern emporklettern, an Relevanz gewonnen hat. Man muss da genau hinsehen, die Welt dreht sich weiter.

Es gibt ja viele Marken, viele Modelle. Was kann ich denn falsch machen mit der Uhr?

J. W.: Wenn ein Politiker oder auch ein seriöser Banker eine goldene Uhr trägt – ganz schwierig, das irritiert viele. Mitunter bedeutet das auch das Karriereaus. Eine sozialdemokratische Politikerin in Berlin etwa musste ja soeben einen ziemlichen Shitstorm über sich ergehen lassen: Ihre Schweizer Uhr erschien vielen zu teuer. Ihr wurde tatsächlich unter anderem die Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen – was Quatsch ist. Doch daran sieht man: Uhren können auch irritieren, wenn es die falschen sind.

So streng?

J. W.: Wie heißt es so schön: Man kann nicht nicht kommunizieren. Ein Mann in hoher Position ohne Uhr – für mich an sich nicht denkbar. Und dies, obwohl man die Uhr fürs Kennen der Zeit nicht mehr braucht. Ein nacktes Handgelenk ist in der Arbeitswelt komisch. Fast, als käme man barfuß ins Büro.

Wird das Thema also unterschätzt?

J. W.: Insgesamt vielleicht nicht, aber doch von Frauen in Führungsebenen. Von denen ja. Gleiche Chancen bei anderen Spielregeln sind eben schwierig durchzusetzen. Man muss die Regeln erstmal kennen, muss wissen, muss lesen können. Um es dann für sich doch anders und intelligenter zu lösen.

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Welchen Eindruck genau macht man denn mit einer Armbanduhr?

J. W.: Naja, das kommt eben aufs Modell an. Der junge Programmierer will mit einer vergoldeten Uhr aus den Achtzigern cool wirken. Die Angestellte des Modegeschäfts mit einer strassbesetzten Quarzuhr mädchenhafter. Aber beide drücken mit solchen Uhren für mich nur die Sehnsucht nach einer „richtigen Uhr“ aus, nach was Teurem.

Und mit einer Uhr von NOMOS Glashütte – was spricht mein Handgelenk da?

J. W.: Bei Ihren Uhren würde ich sagen: schön, gleichzeitig Manufaktur. Und bezahlbar. Also steht die Trägerin, der Träger für Qualitätsbewusstsein und Stil, gleichzeitig aber auch für eine Prise Vernunft.

Manche Modelle – Sie haben ja auch einige in Bunt – sind sogar optisch recht auffällig, aber eben keine Modeuhren. Das ist eher Kunst fürs Handgelenk, Bauhaus, Manufaktur … Uhren wie die von NOMOS Glashütte sind meines Erachtens eine gute Möglichkeit, zu demonstrieren, man ist „in the know“, ist also Kenner – und das, ohne einen Bausparvertrag aufzulösen.

Für wen sind sie denn geeignet?

J. W.: NOMOS-Uhren sind für mich eher Herrenuhren, die als Klassiker, aber vielleicht eine Nummer kleiner oder in einer Farbe, gut geeignet sind für Frauen. Nichts, was überkandidelt wirkt, nichts, was in der Arbeitswelt irritiert.

Dann aber gibt es auch Manschettenknöpfe, Gürtel, Schmuck, Krawatten … Spielen Uhren denn eine andere Rolle als diese Dinge?

J. W.: Ja. Unbedingt. Weil Manschettenknöpfe nicht so erkennbar sind für eine bestimmte Marke. Oder weil sie auch nicht so sehr für einen Preis stehen. Wir verbinden damit nicht diese Welten, für die Uhrenmarken heute stehen.

Geht es immer ums Geld?

J. W.: Nein, da ist auch noch das Gefährlichkeitsimage. Manche Uhren erzählen Geschichten von Abenteuern in der Wildnis, von Flügen auf den Mond, von U-Booten oder einfach höchster technischer Perfektion: Für Männer ist ein bisschen Gefährlichkeit und Abenteuer sehr, sehr interessant – und für manche Frauen eben auch. Uhren von NOMOS Glashütte stehen vielleicht eher für besonderes Qualitätsbewusstsein und eine gewisse Intellektualität.

Eine Uhr kann also ganz schön viel.

J. W.: Und wie! Diese kleine, technisch perfekte Welt am Handgelenk kann last, but not least Garderobe ersetzen. Denn die richtige Uhr macht den fehlenden Anzug oder das Kostüm auch mal wett; mit ihr am Handgelenk kann man selbst in Jeans Überlegenheit und Kennerschaft beweisen. Das ist eben doch einfach praktisch.

Mehr als 15.000 Einzelcoachings hat Jessica Wahl bereits durchgeführt – dabei häufig Thema: die richtige Uhr am Handgelenk.

VERÖFFENTLICHUNG: August 2019
TEXT: NOMOS Glashütte
BILDER: 1. Wahluniversum/Jessica Wahl, 2. NOMOS Glashütte/Florian Fischer, 3. NOMOS Glashütte, 4. Wahluniversum/Jessica Wahl